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15.09.2017

FAZ-Gastbeitrag: Rüge für diskriminierenden Beitrag zeigt funktionierende Selbstregulierung der Medien

Aus Sicht der GRÜNEN im Landtag ist es ein gutes Zeichen, dass der Deutsche Presserat den im Juni in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter Pseudonym erschienenen homophoben Gastbeitrag „Wir verraten alles, was wir sind“ jetzt öffentlich wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex gerügt hat.  „Es ist sehr erfreulich zu sehen, dass die Selbstregulierung der deutschen Medien funktioniert“, erklärt Kai Klose, lesben- und schwulenpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.  „Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Damit die so genannte vierte Gewalt, die Medien, ihre wichtige Aufgabe innerhalb der Demokratie erfüllen können, bedarf es aber auch hoher handwerklicher und ethischer Standards. Mit der Rüge für die FAZ ist klargestellt, dass eine Qualitätszeitung diesen Artikel nicht hätte abdrucken dürfen – schon gar nicht ohne Hinweis darauf, dass ,Johannes Gabriel‘ ein Pseudonym ist.“

 

Aus Sicht des Presserats ist der Gastbeitrag eines Anonymus zur Ehe für alle und den damit verbundenen Änderungen im Adoptionsrecht eine „diskriminierende Berichterstattung“. Der als Kommentar zu lesende Text habe „in Form einer rhetorischen Frage“ die Behauptungen aufgestellt, dass die Gefahr sexuellen Missbrauchs für adoptierte Kinder bei homosexuellen Eltern besonders hoch sei. In der heute veröffentlichten Mitteilung des Presserates heißt es wörtlich: „Diese Behauptungen, für die es nach Auffassung des Presserats keinen wissenschaftlichen Beleg gibt, entfalten eine diskriminierende Wirkung gegenüber Homosexuellen und stellen einen schweren Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot nach Ziffer 12 des Pressekodex dar.“ Über den Kommentar hatten sich 31 Leser beim Presserat beschwert.

 

Klose hatte mit einem eigenen Gastbeitrag an derselben Stelle wenige Tage später auf der FAZ-Artikel geantwortet. Darin hieß es unter anderem: „Dieser Text heischte um billigen Applaus und zielte dafür auf niedere Instinkte und die pauschale Diskreditierung ganzer Gruppen.“ Hinzu komme, dass die Zeitung den Autorennamen nicht als Pseudonym gekennzeichnet hatte.

 

Der Gastbeitrag von Kai Klose ist hier zu finden: http://gruenlink.de/1dfv


Pressestelle der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag
Pressesprecher: Volker Schmidt
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