Der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN, Mathias Wagner, erklärt:
„Wir wollen beim Bürokratieabbau in Hessen einen großen Schritt vorankommen. Deshalb wollen wir alle unnötigen Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungsfristen für die Wirtschaft abschaffen. Und zwar nicht irgendwann, sondern schnell. Wir schlagen vor, dass mit einem Effizienzgesetz alle diese Regelungen bis spätestens 31. Dezember 2027 ersatzlos gestrichen werden. Nur Regelungen, die bis zu diesem Zeitpunkt explizit erneuert und zuvor auf ihre Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit geprüft wurden, bleiben in Kraft. Mit dieser ebenso weitreichenden wie einfachen Maßnahme drehen wir die Begründungspflicht um. Nicht Unternehmen müssen aufwändig bei Landtag und Landesregierung dafür werben, dass unnötige Bürokratie abgeschafft wird. Stattdessen tritt lähmende und unnötige Bürokratie einfach außer Kraft. Ein solches Effizienzgesetz würde die Wirtschaft spürbar entlasten. Unnötige Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungsfristen lähmen nicht nur die Arbeit und Innovationsfreude. Sie kosten auch Zeit, Geld und Nerven.
NRW und Baden-Württemberg als Vorbild
Wir orientieren uns bei unserem Vorstoß an Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. In NRW hat die Landesregierung den Entwurf eines solchen Gesetzes bereits beschlossen und wird ihn demnächst in den Landtag einbringen. In Baden-Württemberg ist ein solches Effizienzgesetz fester Bestandteil des gerade geschlossenen Koalitionsvertrags von GRÜNEN und CDU. Wir meinen: Was in NRW und Baden-Württemberg möglich ist, braucht es auch für Hessen. Auch damit unsere Wirtschaft im Vergleich zu den Nachbarbundesländern nicht ins Hintertreffen kommt.
Effizienzgesetz fraktionsübergreifend auf den Weg bringen
Die Bürokratie in unserem Land wurde über Jahrzehnte von allen Parteien aufgebaut. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Parteien sie gemeinsam wieder abbauen bzw. auf das notwendige Maß beschränken. Wir laden die demokratischen Fraktionen im Landtag ein, sich unserer Initiative anzuschließen und für das nächste Plenum im Juni einen gemeinsam Antrag in den Landtag einzubringen.
Noch einen Schritt weiter gehen
Es ist sinnvoll, dass Hessen unnötige Bürokratie aus seinen Gesetzen streicht. Noch weitreichender und entlastender für die Wirtschaft wäre es, wenn beim Bürokratieabbau auch länderübergreifend zusammengearbeitet würde. Viele Sachverhalte, die heute in 16 Bundesländern 16 Mal anders geregelt sind, könnten stärker vereinheitlicht werden. Für Unternehmen ist es zu Recht nicht nachvollziehbar, warum bspw. in der Bauordnung identische Sachverhalte in Hessen anders geregelt sind als in unseren Nachbarländern. Um es zugespitzt zu sagen: Es ist gut, in 16 Bundesländern unnötige Bürokratie aus den Bauordnungen zu streichen. Aber braucht es wirklich 16 unterschiedliche Bauordnungen? Es macht oftmals keinen Sinn, dass in Wiesbaden andere Regeln gelten als im benachbarten Mainz oder dass in Willingen etwas anderes gilt als einige Kilometer weiter in Winterberg. Ein anderes Beispiel: Beim Tariftreue- und Vergabegesetz stellt sich die Frage, ob es nach der Verabschiedung eines bundesweiten Gesetzes wirklich noch 16 weiterer Gesetze bedarf. Daher schlagen wir vor, dass die Landesregierung sich auch über die Grenzen Hessens hinaus für eine stärkere Zusammenarbeit beim Bürokratieabbau einsetzt.“
Pressestelle der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag
Pressesprecherin: Lisa Uphoff
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