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08.01.2026

GRÜNE stellen 10-Punkte-Plan zur Stärkung der Bildungsqualität vor

Reaktion auf Absturz beim IQB-Bildungstrend

Der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN, Mathias Wagner, und der bildungspolitische Sprecher, Daniel May, haben heute ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Schul- und Unterrichtsqualität in Hessen vorgestellt:

„Die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2024 markieren einen neuen Tiefpunkt für die Bildungsqualität an Hessens Schulen: In allen vier getesteten MINT-Fächern liegen die Leistungen der hessischen Schüler*innen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Gemeinsam mit Bremen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland bildet Hessen inzwischen das Schlusslicht im Ländervergleich. Trotz dieses alarmierenden Ergebnisses hat Kultusminister Schwarz bis heute nicht erklärt, wie er diesem Negativtrend an Hessens Schulen begegnen will. Mehr noch: Ausgerechnet in dieser Situation planen CDU und SPD auch noch Kürzungen an der Lehrkräfteausbildung. Wir GRÜNE sind fassungslos, dass die Landesregierung den Abwärtstrend im hessischen Bildungssystem tatenlos hinnimmt und ihn mit ihrer Politik sogar weiter verschärft. Es stehen nicht nur die Zukunftschancen einer ganzen Generation, sondern auch die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Spiel. Deswegen legen wir einen 10-Punkte-Plan vor, um die Schul- und Unterrichtsqualität in Hessen zu verbessern. Zentrale Forderungen dieses Plans sind:

Gleiche Chancen beginnen vor der Einschulung

Immer mehr Kinder werden ohne grundlegende sprachliche, mathematische oder motorische Fähigkeiten eingeschult. Deswegen brauchen wir eine standardisierte Entwicklungsstandtestung aller Kinder etwa 18 Monate vor der Einschulung. Derzeit fehlen bei der Einschätzung der Grundschulen klare Standards, eine systematische Erfassung und eine aggregierte Auswertung der Ergebnisse. Darüber hinaus müssen auch das Mengen- und Zahlenverständnis, die Motorik und das Sozialverhalten getestet werden. Die Sprachvorlaufkurse, die für Kinder mit Förderbedarf verpflichtend sind, müssen um mathematische Grundlagen und motorische Förderung ergänzt werden. Dies muss mit Ressourcen von mindestens zwei zusätzlichen Schulstunden hinterlegt werden.

Qualität messen – gezielt verbessern

Um die Schul- und Unterrichtsqualität verbessern zu können, müssen wir auf allen Ebenen regelmäßig messen und evaluieren. Mit datengestützter Schulentwicklung hat Hamburg es im bundesweiten Bildungsvergleich vom Sorgenkind zum Musterschüler geschafft und sich in den vergangenen Jahren in verschiedenen Bildungsvergleichsstudien auffallend positiv entwickelt. In Anlehnung an diesen Erfolgsweg fordern wir die Gründung eines „Hessischen Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung“, das umfassend Daten erhebt, aufbereitet und im Umgang damit schult. Zudem soll die Einführung einer Schüler-ID und eines Bildungsverlaufsregisters für die gesamte Bildungslaufbahn von der Kita bis zum Schulabschluss rechtlich geprüft werden. Bereits ab diesem Schuljahr sollen die zentralen Lernstandserhebungen (VERA-Vergleichsarbeiten) landesweit systematisch ausgewertet werden.

Mehr Zeit zum Aufholen

Insbesondere in Deutsch und Mathematik braucht es mehr Fördermaßnahmen für Schüler*innen mit besonders großem Förderbedarf. Deswegen wollen wir noch in diesem Schuljahr allen Schulen dauerhaft ein Chancenbudget für mehr Förderangebote im Ganztag zur Verfügung stellen. Gleichzeitig sollen die Lerncamps in den hessischen Schulferien deutlich ausgebaut werden, um mehr wohnortnahe Angebote zu schaffen. Ab dem kommenden Schuljahr soll die dritte Woche der Weihnachtsferien – die sogenannte „Hessenwoche“ – als neue Lern- und Förderwoche für Hessens Schüler*innen hinzukommen. Zudem wollen wir für Schüler*innen mit erheblichem Förderbedarf in Deutsch und Mathematik einen Rechtsanspruch auf mindestens einen Förderkurs pro Schuljahr schaffen.

Mehr Hilfe, wo sie am dringendsten gebraucht wird

Wir müssen noch stärker die Schulen und Schüler*innen in den Blick nehmen, deren Förderbedarf am größten ist. Aus diesem Grund sollen Schulen mit niedrigem Sozialindex gezielt zu ‚echten‘ Ganztagsschulen (Profil 3) weiterentwickelt und dabei finanziell gefördert werden. Der Sozialindex muss überarbeitet werden, die Ressourcenzuweisung muss sich stärker daran orientieren. Kurzfristig erhöhen wir deshalb die Lehrkräftestellen im Sozialindex von 650 auf 800 und bauen diese Zahl in den kommenden Jahren weiter aus.

Entlasten – gewinnen – qualifizieren

Um neue Zielgruppen für den Beruf als Lehrkraft zu gewinnen, wollen wir Modellversuche für duale Lehramtsstudiengänge und Quereinstiegsmaster in Mangellehrämtern und -fächern starten. Zudem braucht es längere Fortbildungsreihen statt einzelner Kurzveranstaltungen. Ein Modellprojekt für Schulleitungstandems aus pädagogischen und administrativen Schulleitungen soll an zunächst 50 Schulen mit niedrigem Sozialindex für Entlastung sorgen und mehr Zeit für die Qualitätsentwicklung schaffen.“

 

Den GRÜNEN 10-Punkte-Plan mit allen Maßnahmen im Detail finden Sie hier: https://t1p.de/x4q72.

 

Einen Kurzüberblick und zeitliche Einordnung über alle 10 Punkte finden Sie hier:

Kurzfristige Maßnahmen (noch in diesem Jahr):

1. Auswertung der Lernstandserhebungen – mehr datengestützte Schulentwicklung
– Ergebnisse jährlicher Lernstandserhebungen landesweit auswerten
2. Chancenbudget für alle Schulen
– Aufstockung der Schulbudgets für Förderangebote zum Aufholen nach Corona
3. Ausbau der Ferienförderkurse mit Schwerpunkt auf Deutsch und Mathematik
– Mehr Förderkurse in den Ferien zum Schließen von Lernlücken
– Rechtsanspruch auf einen Förderkurs pro Schuljahr für Schüler*innen mit großen Lücken

Mittelfristige Maßnahmen (bis zum Ende der Wahlperiode):

4. Einstieg in die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung
– Gründung eines Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung
– Rechtliche Prüfung von Schüler-ID und Bildungsverlaufsregister
– Digitale Lernverlaufsdiagnostik in Deutsch und Mathematik von Klasse 1-10
5. Entwicklungsstandtestung aller Vorschulkinder, Ergänzung der Vorlaufkurse um Mathe
– Standardisierte Entwicklungsstandtestung 18 Monate vor der Einschulung
– Erweiterung der Vorlaufkurse um Mathematik und motorische Fähigkeiten
6. Sozialindizierte Ressourcen besser steuern und ausweiten
– Hessischen Sozialindex überarbeiten und schulschärfer gestalten
– Ressourcenzuweisung an Schulen stärker sozialindiziert staffeln

7. Mehr rhythmisierte Ganztagsschulen (Profil 3) bei besonderen Herausforderungen
– Mehr ‚echte‘ Ganztagsschulen an Schulen mit besonders heterogener Schülerschaft
8. Programm zur Gewinnung von Lehrkräften in Mangelbereichen
– Modellversuch für duale Lehramtsstudiengänge und Quereinstiegsmaster in Mangellehrämtern sowie für Mangelfächer
9. Reform der Lehrkräftefortbildung: mehr Zeit, Praxisanteile und Fortbildungen im Team
– Fokus auf längere Fortbildungsreihen statt einmaliger Kurzveranstaltungen
– Mehr Fortbildungen im Team und gegenseitige Hospitationen im Unterricht
10. Schulleitungstandems aus pädagogischen und administrativen Schulleitungen
– Modellprojekt an 50 Schulen mit niedrigem Sozialindex
– Administrative Schulleitungen mit halber Stelle nur für Verwaltungsaufgaben
– Stärkerer Fokus der pädagogischen Schulleitung auf Qualitätsentwicklung


Pressestelle der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag
Pressesprecherin: Lisa Uphoff
Schlossplatz 1-3; 65183 Wiesbaden
Fon: 0611/350597; Fax: 0611/350601
Mail: presse-gruene@ltg.hessen.de
Web: http://www.gruene-hessen.de/landtag

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