Daniel May, bildungspolitischer Sprecher der GRÜNEN Landtagsfraktion:
„Hessens Schulen ächzen unter dem Lehrkräftemangel, was Überlastungsanzeigen und Resolutionen aus der Schulpraxis immer wieder zeigen. Doch trotz vollmundiger Ankündigungen aus dem Wahlkampf, unter anderem für 12.000 neue Lehrkräfte, begnügen sich CDU und SPD mit Mangelverwaltung und Schönfärberei. Wir GRÜNEN wollen der schwarz-roten Arbeitsverweigerung nicht länger zuschauen und legen deswegen einen Gesetzentwurf mit sechs konkreten Maßnahmen gegen den Lehrkräftemangel vor. Damit schaffen wir attraktive neue Wege in den Lehrkräfteberuf, erreichen neue Zielgruppen für ein Lehramtsstudium und den Quereinstieg in Mangelbereichen und schaffen auch kurzfristige Kompensation für die vom Lehrkräftemangel betroffenen Schulen.
Neue Wege der Lehrkräfteausbildung gehen – weitere Zielgruppen erreichen
Insbesondere im Lehramt an Haupt- und Realschulen, im Lehramt für berufliche Schulen und im Lehramt für Förderpädagogik fehlen in Hessen viele Lehrkräfte. Darüber hinaus gibt es Fächer, insbesondere im MINT-Bereich oder im Fach Musik, in denen über alle Lehrämter hinweg ein extremer Mangel herrscht. Dabei geht der aktuelle Mangel im Gegensatz zu früheren Mangellagen nicht auf fehlende Studienplätze zurück – im Gegenteil: Die Nachfrage nach den bestehenden Studienplätzen ist seit Jahren rückläufig. So ist die Zahl der Studienanfänger*innen im Haupt- und Realschullehramt zwischen 2014 und 2024 um fast 50 Prozent gesunken, im Lehramt für berufliche Schulen um gut 30 Prozent. Bei diesen Lehrämtern und Fächern braucht es neue Ideen und Wege, junge Menschen für den Beruf als Lehrkraft zu begeistern und zu gewinnen. Deswegen wollen wir mit Modellversuchen für ein duales vergütetes Lehramtsstudium und Quereinstiegs-Masterstudiengänge (Q-Master) alternative attraktive Wege schaffen, um gezielt neue Zielgruppen für diese Mangelbereiche zu gewinnen. So schaffen wir Angebote für Personen, die bisher aufgrund der mangelnden Vergütung oder dem geringen Praxisbezug vor einem Studium zurückschrecken oder Studierende, die sich erst zu einem späteren Zeitpunkt ihres Fachstudiums für den Weg in den Lehrkräfteberuf interessieren. Durch die Öffnung des Q-Masters für Bachelorabsolvent*innen von staatlich anerkannten Musikakademien gehen wir auch gezielt die große schulformübergreifende Mangellage im Fach Musik an. Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Berlin nutzen bereits diese neuen Wege der Lehrkräfteausbildung, um dem bundesweiten Lehrkräftemangel zu begegnen. Hier darf Hessen nicht den Anschluss verlieren.
Neue Zugänge für HAW-Absolvent*innen und beruflich Qualifizierte
Trotz gravierendem Lehrkräftemangel schließt das Land ohne erkennbaren Grund bestimmte Personengruppen vom Zugang zum Lehramtsstudium und den verschiedenen Quereinstiegsprogrammen aus. Das wollen wir ändern und alle Lehramtsstudiengänge, wie seit Jahren bereits für gestufte Studiengänge (Bachelor-Master-System) geübte und erfolgreiche Praxis, für Personen mit mittlerem Schulabschluss und einer mindestens mit der Note 2,5 abgeschlossenen Berufsausbildung öffnen. Zudem sollen die verschiedenen Quereinstiegsmaßnahmen des Landes auch für Personen mit einem nicht-universitären Hochschulabschluss, beispielswiese der Hochschulen für angewandte Wissenschaft, geöffnet werden. Wir können es uns in der aktuellen Lage schlichtweg nicht leisten, auf diese Personengruppen zu verzichten. Nicht zuletzt ist diese Öffnung für uns GRÜNE ein Gebot der auch von CDU und SPD viel beschworenen Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung sowie der Gleichwertigkeit der verschiedenen akademischen Abschlüsse.
Sommerferienarbeitslosigkeit von Referendar*innen beenden – unbesetzte Stellen an Schulen finanziell kompensieren
Auch dass Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, die diesen zum 31. Juli eines Jahres abschließen, danach vom Land in die Sommerferienarbeitslosigkeit entlassen werden, ist angesichts des vorherrschenden Lehrkräftemangels und der abnehmenden Attraktivität des Lehrkräfteberufs nicht nachvollziehbar. Wir wollen diesen unhaltbaren Zustand mangelnder Wertschätzung beenden und unsere frisch ausgebildeten Lehrkräfte auch in den Sommerferien zwischen Beendigung des Referendariats und Einstieg in den Lehrkräfteberuf weiterbezahlen. Darüber hinaus wollen wir die Mangellage an Hessens Schulen kurzfristig dadurch abmildern, dass nicht besetzte Stellen den Schulen für die Dauer der Vakanz in Form von Geldmitteln vom Land kompensiert werden. Mit dem Geld können die Schulen dann zumindest ihre multiprofessionellen Teams weiterentwickeln, Assistenzkräfte beschäftigen oder Kooperationen mit außerschulischen Akteur*innen eingehen.“
Hier die sechs Maßnahmen im Kurzüberblick:
Unser Gesetzentwurf zur Lehrkräftegewinnung findet sich hier: https://t1p.de/702yt.