Ministerpräsident Boris Rhein hatte zur Halbzeitbilanz der schwarz-roten Koalition ein „Bildungspaket“ angekündigt. Vorausgegangen waren wochen- und monatelange Proteste aus Schulgemeinden, Gewerkschaften, Bildungsverbänden und der Zivilgesellschaft wegen der massiven Kürzungen von CDU und SPD in der Bildung:
Vor diesem Hintergrund ist das „Bildungspaket“, das CDU und SPD nun – drei Wochen nach Schuljahresstart – präsentiert haben, eine herbe Enttäuschung. Auch die große Inszenierung durch Ministerpräsident Rhein, Stellvertreter Mansoori und Kultusminister Schwarz bei der Pressekonferenz in der Staatskanzlei kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die präsentierten Maßnahmen nicht viel mehr als ein verzweifelter Versuch sind, den in den letzten Monaten selbst angerichteten Schaden zu begrenzen:
Wir GRÜNEN finden: Wer erst massiv kürzt und sich dann für die teilweise Rücknahme der eigenen Kürzungen als Retter in der Not feiern möchte, versucht, die Öffentlichkeit zu täuschen. Insgesamt stehen Kürzungen an Schulen und Kitas von deutlich über 100 Millionen Euro nun einem „Bildungspaket“ mit nur knapp 50 Millionen Euro gegenüber – und das auch noch gestreckt auf zwei bis drei Jahre. Wer das als Verbesserung darstellen will, verkauft die Bürger*innen für dumm.
Auch in Sachen Qualitätsentwicklung bleiben die vorgestellten Maßnahmen weit hinter dem zurück, was nötig wäre. Zwar sind die zusätzliche Deutschstunde und die zusätzlichen Maßnahmen im Fach Mathematik richtig. Doch angesichts der Absturzes Hessens beim Bildungsvergleich der Bundesländer (IQB-Bildungstrends) und bei der gerade veröffentlichten PISA-Studie ist das schlicht zu wenig. Wir GRÜNEN haben bereits Anfang des Jahres einen 10-Punkte-Plan zur Stärkung der Bildungsqualität vorgestellt und fordern einen Einstieg in die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung. In Anlehnung an den Hamburger Erfolgsweg fordern wir, die fortlaufende Erhebung von Lernständen und Lernverlaufsdaten an allen Schulen in Hessen – mit Unterstützung eines Hessischen Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung – zum Standard zu machen. Doch alles, was dem Kultusminister hierzu einfällt, ist, das zigste Pilotprojekt an einer kleinen Zahl von Schulen zu starten. Was andernorts bereits erfolgreich erprobt ist, braucht aber kein neues Pilotprojekt, sondern eine flächendeckende Einführung.
Zum Thema Ganztag verlieren CDU und SPD in ihrem „Bildungspaket“ kein Wort – obwohl im neuen Schuljahr der Rechtsanspruch Ganztag an Grundschulen für den ersten Jahrgang gestartet ist und vielerorts noch Plätze fehlen. Auch in Sachen Digitalisierung passiert außer der Rückwärtsrolle in Sachen Medienbildungsunterricht nichts. Dabei erhält Hessen in den kommenden Jahren mehr als 300 Millionen Euro vom Bund für die Digitalisierung und die Umsetzung des Rechtsanspruchs Ganztag. Wir GRÜNEN fordern, endlich alle Schüler*innen ab Klasse 7 mit standardisierten digitalen Arbeitsgeräten auszustatten. Zudem müssen die Betriebskostenzuschüsse des Bundes für die Umsetzung des Rechtsanspruchs Ganztags vollständig an die Kommunen weitergeleitet werden. Dass CDU und SPD vom Bundesgeld keinen einzigen Cent an die Kommunen weitergeben und gleichzeitig jede Verantwortung für fehlende Ganztagsplätze auf die Kommunen schieben, ist eine Frechheit.