Sprache ist der Schlüssel zu Bildung, Teilhabe und Integration. Gerade in den ersten Lebensjahren werden entscheidende Grundlagen für den späteren Bildungsweg gelegt. Umso unverständlicher ist die Entscheidung der hessischen Landesregierung, das Programm „Sprach-Kitas“ Ende 2026 auslaufen zu lassen und damit erfolgreiche Strukturen zu zerstören. Nach Kürzungen bei den Integrierten Gesamtschulen und dem Sozialindex ist das Aus für die „Sprach-Kitas“ der nächste Kahlschlag bei der Bildung in Hessen.
Mit dem Programm werden derzeit rund 500 zusätzliche Sprachförderkräfte in Kindertagesstätten finanziert, und zwar gezielt dort, wo besonders viele Kinder einen erhöhten Sprachförderbedarf haben. Die zusätzlichen Fachkräfte stärken die pädagogische Arbeit vor Ort und schaffen bessere Bildungschancen für benachteiligte Kinder. Als GRÜNE haben wir die Landesregierung deshalb in unserem Antrag dazu aufgefordert, die Sprach-Kitas dauerhaft zu sichern und die rund 500 Stellen zu erhalten.
CDU und SPD haben versucht, die Streichung des Programms als Verbesserung zu verkaufen. Statt gezielt einzelne Einrichtungen zu fördern, sollen künftig über eine erhöhte Betriebskostenförderung alle Kitas etwas mehr Geld erhalten. Das klingt zunächst gerecht – ist es aber nicht. Denn wer Gerechtigkeit mit „alle bekommen gleich viel“ verwechselt, ignoriert die sehr unterschiedlichen Herausforderungen in unseren Kitas. Nicht jede Einrichtung steht vor denselben Aufgaben. Kitas in Quartieren, die stark von Armut und Benachteiligung geprägt sind, betreuen in der Regel besonders viele Kinder mit erhöhtem Sprachförderbedarf. Genau dort braucht es zusätzliche Unterstützung. Echte Bildungsgerechtigkeit bedeutet deshalb nicht, allen das Gleiche zu geben, sondern dort mehr zu investieren, wo der Bedarf am größten ist.
Hinzu kommt: Die angekündigten höheren Betriebskostenzuschüsse schaffen keine Sicherheit. Bis heute ist unklar, wie viel Geld die einzelnen Kitas tatsächlich erhalten werden und ob dies ausreicht, um das bisherige Personal weiter zu beschäftigen. Während die Förderung der Sprach-Kitas bereits Ende 2026 endet, soll die neue gesetzliche Grundlage erst 2027 kommen. Damit droht eine Finanzierungslücke, durch die wertvolle Expertise verloren geht.
Richten soll es dann laut Landesregierung ein neues Kompetenzzentrum für sprachliche Bildung. Ein solches Zentrum kann sinnvoll sein, um Fachkräfte zu beraten oder Fortbildungen anzubieten. Es ersetzt aber keine zusätzlichen Fachkräfte in den Einrichtungen selbst. Sprachförderung gelingt vor allem im Alltag der Kitas, durch Fachkräfte, die mit den Kindern arbeiten.
Für uns ist klar: Gerade bei der Sprachförderung darf nicht gespart werden. Wer Chancengerechtigkeit ernst meint, muss dort investieren, wo Unterstützung besonders dringend gebraucht wird. Die Sprach-Kitas zu streichen, ist eine fatale Entscheidung dieser Landesregierung. Zudem bedarf es aus unserer Sicht einer grundlegenden Reform der Betriebskostenzuschüsse für Kindertagesstätten, die sich derzeit ausschließlich nach der Kinderzahl richtet. Sinken die Geburtenraten, erhalten Kitas – trotz explodierender Kosten für Miete und Energie – weniger Geld. Wir GRÜNEN setzen uns deshalb für planungssichere, jährlich steigende Landeszuschüsse ein, die eine qualitativ hochwertige Betreuung sichern.