Hessen profitiert von der Stabilität Europas, dem wirtschaftlichen Erfolg und der gemeinsamen Währung. Aber Europa ist mehr als eine Währungsunion – das sollte gerade in Zeiten der Staatsschuldenkrise gegenwärtig sein. Die EU ist ein weltweit einzigartiges Demokratie- und Friedensprojekt. Dank des Zusammenwachsens der europäischen Staaten in der EU ist Deutschland von Freunden umgeben. So ist die jahrhundertlange Ära von Kriegen zwischen Nachbarn überwunden worden. Die Anziehungskraft der EU hat entscheidend mitgeholfen, dass der Transformationsprozess der mittel- und osteuropäischen Staaten nach dem Fall der Mauer friedlich verlaufen ist. Die deutsch-französische Freundschaft ist durch die alltägliche Zusammenarbeit in der EU gewachsen. Und die Wiedervereinigung Deutschlands wäre ohne eine feste Einbindung in die EU für unsere Nachbarn nicht akzeptabel gewesen.
Trotz der vielen, teilweise sehr berechtigten Kritik an der EU, die in den letzten Jahren laut geworden ist, sind wir GRÜNE davon überzeugt, dass die EU für Europa unverzichtbar ist. Wir wollen in vielen Bereichen eine andere Politik, eine grünere, das heißt ökologischere, sozialere, bürgerrechtlich oder friedenspolitisch konsequentere. Klar ist aber: Nichts davon ist durch einen Rückzug von der EU ins Nationale zu gewinnen. Keine der großen grünen Visionen ist für unser Land ohne die bessere Zusammenarbeit in der EU zu verwirklichen.
Die EU steht aktuell vor zahlreichen Herausforderungen, die sie nur in gemeinsamer Anstrengung aller Mitglieder und mit Besinnung auf gemeinsame europäische Werte und eine gemeinsame europäische Zukunft bewältigen kann. Dabei kommt es darauf an, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen. Deshalb sind die Kenntnisse europäischer Zusammenhänge, weitere Beteiligungsrechte sowie der Abbau unnötiger Bürokratie genauso wichtig wie kulturelle Vielfalt, regionale Traditionen oder Sprache.
In der aktuellen Euro-Schuldenkrise stehen wir GRÜNE für einen Kurs der Solidarität mit den Krisenstaaten und insbesondere mit den jungen Menschen in Teilen Südeuropas, für die diese Krise eine reale Katastrophe geworden ist. Es darf nicht sein, dass in EU-Staaten etwa die Gesundheitsversorgung partiell zusammenbricht und der Rest der Gemeinschaft tatenlos zusieht. Wir GRÜNE setzen uns für eine stärkere und vor allem bessere Wirtschaftskoordination auf europäischer Ebene ein. Dazu braucht es zumindest in der Euro-Zone eine europäische Wirtschaftspolitik, ohne allerdings damit die Europäische Union zu spalten. Eine gemeinsame Währung kann auf Dauer nur funktionieren, wenn auch die Wirtschaftspolitiken der Mitgliedsstaaten eng aufeinander abgestimmt sind. Die Euro-Gruppe muss aufgewertet werden, um gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank die makroökonomischen Rahmenbedingungen zu setzen. An diesem Prozess müssen auch die Sozialpartner – also die europäischen Gewerkschafts- und Arbeitgeberverbände – beteiligt werden, da langfristig auch die Lohnverhandlungen stärker europäische koordiniert werden müssen.