Wir haben einen neuen Gesetzentwurf eingereicht, mit dem wir den Start-up-Standort Hessen stärken und mehr privates Kapital für junge Unternehmen mobilisieren wollen. Konkret geht es darum, Stiftungen künftig mehr Rechtssicherheit zu geben, wenn sie einen kleinen Teil ihres Vermögens in Wagniskapitalfonds investieren möchten. Denn gute Ideen brauchen nicht nur mutige Gründerinnen und Gründer – sie brauchen auch ausreichend Kapital, um wachsen zu können.
Der Vorstoß kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Zwar konnten deutsche Start-ups zuletzt trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten wieder mehr Risikokapital einwerben. Gleichzeitig stammt aber ein immer größerer Teil dieses Geldes aus dem Ausland, vor allem aus den USA. Das zeigt zwar Vertrauen in den Innovationsstandort Deutschland, macht aber auch deutlich, wie stark der internationale Wettbewerb um Unternehmen, Technologien und Talente inzwischen geworden ist und wie hoch der Nachholbedarf hier ist.
Gerade in der frühen Wachstumsphase entscheidet die Finanzierung oft darüber, ob aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen wird – oder ob Firmen und Arbeitsplätze später ins Ausland abwandern. Deshalb braucht es auch in Hessen mehr Möglichkeiten, privates Kapital für Innovationen nutzbar zu machen. Mit unserem Gesetzentwurf schlagen wir deshalb eine behutsame Öffnung vor: Bis zu fünf Prozent des Stiftungskapitals sollen ausdrücklich in Venture-Capital-Fonds investiert werden dürfen. Niemand wird dazu verpflichtet. Aber Stiftungen, die hessische Innovationen fördern möchten, sollen dafür endlich einen klaren rechtlichen Rahmen bekommen.
Dabei bleibt der Grundsatz des Werterhalts selbstverständlich bestehen. Es geht nicht um riskante Einzelinvestitionen, sondern um langfristige und klar begrenzte Beteiligungen über Fondsstrukturen. Schon ein kleiner Teil des vorhandenen Stiftungskapitals könnte dabei viel bewegen und jungen Unternehmen den Zugang zu Wachstumskapital erleichtern.
Andere Länder diskutieren ähnliche Schritte bereits. Umso wichtiger ist es, dass Hessen beim Thema Innovation und Start-ups nicht nur zuschaut, sondern selbst aktiv wird. Innenminister Roman Poseck sollte aufhören mit „Das haben wir schon immer so gemacht, da könnte ja jeder kommen“ und gemeinsam mit uns an einer Öffnung des Stiftungsgesetzes arbeiten. Denn wenn gute Ideen hier entstehen, sollten sie auch die Chance haben, hier groß zu werden.