Für Landwirtschhaft ohne Gift und Gentechnik

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Für Landwirtschaft ohne Gift und Gentech

Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus der Region boomt – trotzdem müssen viele Bio-Produkte wie Eier, Obst und Fleisch importiert werden. Deshalb brauchen wir mehr Ökolandbau-Betriebe im Land. Dann bleibt die Wertschöpfung in Hessen, und die Wege für Lebensmittel werden kürzer und klimaverträglicher – ganz abgesehen von den positiven Auswirkungen des Biolandbaus auf die Artenvielfalt. Die GRÜNE Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Priska Hinz hat dazu den Ökoaktionsplan initiiert.

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Priska Hinz, Staatsministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, im Interview zum Ökoaktionsplan

Ökoaktionsplan

Der Ökoaktionsplan setzt die Rahmenbedingungen für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft. Zu den konkreten Schritten gehören eine verlässliche und bessere finanzielle Unterstützung des Ökolandbaus – sowohl für Betriebe, die auf Öko umstellen, als auch für solche, die bereits so wirtschaften. Außerdem stärken wir die Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen. Der Ökoaktionsplan greift und trägt Früchte: Die Ökolandbaufläche in Hessen ist im Jahr 2016 um 10.000 Hektar gewachsen und 155 Landwirte haben im Jahr 2016 auf Bio umgestellt. Das sind fast so viele „Umsteller“ wie in den beiden Jahren zuvor zusammengenommen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Ökoaktionsplans ist die Grundlagenarbeit: Die ökologische Landwirtschaft wird in der Forschung, in der landwirtschaftlichen Beratung und bei der Ausbildung gestärkt. So hat auf Anregung von Ministerin Hinz die Agrarministerkonferenz der Bundesländer den Bund aufgefordert, das Lernfeld „Ökologischer Landbau“ in die Ausbildung für Landwirtinnen und Landwirte zu integrieren. In Hessen wird das Seminar „Ökologischer Landbau“ jetzt auch an den vier hessischen landwirtschaftlichen Fachschulen angeboten. Dabei werden auch ökologisch wirtschaftende Betriebe in den Unterricht eingebunden. Das ist wichtig, denn Landwirtschaft muss sich den Herausforderungen des Klimawandels, dem Schutz von Boden und Grundwasser und den Anforderungen an das Tierwohl verstärkt widmen. Das gelingt, wenn Fachwissen über die Ausbildung vermittelt und dann in der Praxis angewendet werden kann.

Um den Ökolandbau und Agrarumweltmaßnahmen weiter voranzubringen, sind bis 2020 insgesamt 257 Millionen Euro an Fördermitteln eingeplant – das sind etwa 40 Prozent mehr als in der vorausgegangenen Förderperiode.

 

So wächst und gedeiht der Ökolandbau in Hessen (Stand Juni 2017):

  • 75.000 Hektar ökologisch bewirtschaftete Fläche – das entspricht 12,6 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Hessen
  • 1.982 landwirtschaftliche Öko-Betriebe
  • Regionaler Schwerpunkt des Ökolandbaus bilden die Landkreise Lahn-Dill-Kreis/Gießen, Vogelsbergkreis, Fulda und Marburg – hier befinden sich rund 50 Prozent der hessischen Ökofläche
  • Aufteilung: 2/3 Grünland, 1/3 Ackerland, Gemüse und Dauerkulturen
  • Durchschnittsgröße der Betriebe: 48 Hektar – das entspricht in etwa der Durchschnittsgröße bei konventionellen Betrieben in Hessen

Die Zahlen zeigen: es hat sich herumgesprochen, dass es sich lohnt, in Hessen Biobauer zu werden. Denn mit dem Ökoaktionsplan gibt es verlässliche Rahmenbedingungen für die Förderung von Öko-Betrieben und eine gute Planungsperspektive für Landwirtinnen und Landwirte.

 

Hessen bleibt gentechnikfrei

Ein weiterer Erfolg GRÜNER Regierungsbeteiligung ist der Beitritt Hessens zum „Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen“. Die Mehrheit der Menschen will keine gentechnisch veränderten Lebensmittel auf ihren Tellern. Die Heilsversprechen der Agrogentechnik haben sich bis jetzt nicht bewahrheitet: Weder konnte der Einsatz von Pestiziden reduziert noch der Hunger auf der Welt reduziert werden. Mit der Mitgliedschaft im Netzwerk sendet Hessen ein wichtiges Signal auch an andere Regionen: Auf unseren Äckern hat Gentechnik nichts verloren.

Damit auch im Futter hessischer Tiere weniger Gensoja landet, hat die Landesregierung eine Initiative für gentechnikfreies Futter gestartet. Dabei geht es unter anderem darum, in Hessen heimische, gentechnikfreie Eiweißfuttermittel wie Ackerbohnen anzubauen. Das kann die Abhängigkeit von Importen gentechnisch veränderten Futters aus Nord- und Südamerika verringern, bietet den Landwirtinnen und Landwirten eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit und verbessert außerdem noch die Boden- und Wasserqualität.

Hessen ist aber keine Insel. Umso wichtiger ist es, dass jeder EU-Mitgliedstaat – auch Deutschland – den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verbieten kann. Hessen hat hier klar Position bezogen und sich im Bundesrat für dieses Selbstbestimmungsrecht ausgesprochen – ein deutlicher Handlungsauftrag an die Bundesregierung, sich in den EU-Gremien für ein nationales Anbauverbot einzusetzen.

Glyphosat kommt uns nicht in die Tüte – giftige Pflanzenschutzmittel stoppen!

Weltweit werden Pflanzenschutzmittel zur Unkrautbekämpfung in der Landwirtschaft, im Gartenbau, in öffentlichen Anlagen und in Privathaushalten eingesetzt. Rückstände davon finden sich auch in Nahrungsmitteln wie Brot und Bier wieder. Eines davon, das sogenannte Glyphosat, ist auch im menschlichen Körper nachweisbar, selbst in der Muttermilch und damit auch in Neugeborenen, obwohl es in Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Glyphosat komplett verbieten kann direkt nur der Bund oder die Europäische Union. Was wir aber in Hessen vor Ort machen können, sind wir angegangen. Die Anwendung von Glyphosat im öffentlichen Raum hat unsere grüne Umweltministerin Priska Hinz per Erlass strikt eingeschränkt. Auf Sportanlagen und Spielplätzen darf jetzt kein Glyphosat mehr eingesetzt werden. Außerdem unterstützt die Hessische Landesregierung alternative Methoden zum Pflanzenschutz, die ohne chemische Keule auskommen. Dazu bauen wir derzeit auch die landwirtschaftliche Beratung in Hessen für alle landwirtschaftlichen Betriebe, neben den Biobauern, weiter aus. Solche Maßnahmen erfordern zwar mehr Arbeit und Zeiteinsatz, aber es lohnt sich, unsere Böden, die Insektenvielfalt und auch unser Grundwasser auf diese Weise dauerhaft zu schützen sowie Menschen und Umwelt von Risiken zu entlasten.

Daran arbeiten wir: an einer artgerechten Nutztierhaltung

Damit nicht nur in der ökologischen, sondern auch in der konventionellen Landwirtschaft Tiere so artgerecht gehalten werden wie möglich, haben wir den „Runden Tisch Tierwohl“ eingerichtet. Landwirte, Tierschützer, Veterinäre und weitere Experten besprechen, wie Nutztiere ohne Quälerei und gesund gehalten werden können. Konkrete Vorschläge erwarten wir etwa dazu, wie Bauern mit weniger Antibiotika auskommen. Dank dem „Runden Tisch Tierwohl“ wurden schon wichtige Schritte eingeleitet, dass Kälber nicht mehr enthornt und männliche Küken nicht mehr getötet werden. Das Gremium hat außerdem einen konkreten Beschluss gefasst, dass die ganzjährige Anbindehaltung bei Rindern verboten werden soll. Unsere Umweltministerin Priska Hinz konnte diesen Beschluss in eine Bundesratsinitiative aufgreifen. Leider blockiert die Bundesregierung diese Forderungen der Länder bislang.
Gemeinsam mit der Hessischen Geflügelwirtschaft hat der “Runde Tisch Tierwohl“ vereinbart, die Schnäbel bei Legehennen in Zukunft nicht mehr zu kürzen. Auf freiwilliger Basis sollen Tierhalter auch darauf verzichten, die Schwänze von Ferkeln zu kupieren.

 


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