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16.08.2012

NORAH-Studie zu gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm – GRÜNE antworten auf offenen Brief von Ärztinnen und Ärzten

Die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt sich in einer offenen Antwort (s. Anlage) auf einen offenen Brief von Ärztinnen und Ärzten aus dem Rhein-Main-Gebiet für die Fortführung der NORAH-Studie zur Ermittlung von Gesundheitsgefahren durch Lärm, vor allem Fluglärm, ein. Am 1. August hatten mehr als hundert Medizinerinnen und Mediziner den Abbruch der Studie gefordert, da es aus ihrer Sicht genug Erkenntnisse über die gesundheitsschädlichen Folgen von Fluglärm und Schadstoffemissionen gebe.

DIE GRÜNEN begleiten die NORAH-Studie dagegen weiterhin konstruktiv-kritisch und haben auch die Kritikerinnen und Kritiker aufgefordert, dieses zu tun „Wir wollen als Kritiker der Fluglärmbelastung möglichst alle Möglichkeiten nutzen und viele unterschiedliche Wege gehen, um eine wirksame Verringerung des Fluglärms in der Rhein-Main-Region zu erreichen. Wir fordern die Verantwortlichen des Umwelthauses auf, Kritikpunkte an der Erstellung der Studie auszuräumen und zum Beispiel die Auswahl der zu untersuchenden Personengruppen in der NORAH-Studie nachvollziehbar zu gestalten. Wir werden nicht rasten und ruhen und weiter dafür kämpfen, dass die Belastungen durch Fluglärm reduziert werden. Dabei halten wir die NORAH-Studie nicht für schädlich, sondern für eine zusätzliche Chance im Sinne der Betroffenen“, so der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN, Tarek Al-Wazir, und der für die Belange des Frankfurter Flughafens zuständige Abgeordnete Frank Kaufmann.

Als diejenigen, die aus der parlamentarischen Opposition heraus eine solche Studie bei der Mehrheit des Hessischen Landtags durchgesetzt haben, halten es DIE GRÜNEN nach wie vor für notwendig, eine spezifisch für Frankfurt konzipierte Studie mit breiter wissenschaftlicher Absicherung durchzuführen. „Wir setzen uns seit Jahren dafür ein, die Belastungen des Fluglärms endlich ernst zu nehmen. Leider mussten wir dabei immer wieder feststellen, dass es nur sehr selten gelungen ist, öffentliche Aufmerksamkeit und gesellschaftliche Unterstützung über den Kreis der direkt Betroffenen hinaus zu erreichen. Die Mehrheit im Landtag hatte uns nach der Veröffentlichung der sog. Greiser-Studie sogar eine Anhörung im zuständigen Landtagsausschuss verweigert, ohne dass es zu einem großen öffentlichen Aufschrei in der Rhein-Main-Region gekommen wäre. Dies lag sicherlich daran, dass zu diesem Zeitpunkt die Nordwestbahn noch nicht eröffnet war, aber es zeigt, wie schwierig es ist, genügend öffentlichen Druck zu erzeugen“, schreiben Tarek Al-Wazir und Frank Kaufmann an die Medizinerinnen und Mediziner.

DIE GRÜNEN erinnern daran, dass auch viele der jetzt den offenen Brief unterschreibenden Ärztinnen und Ärzte erst durch die unmittelbare persönliche Lärmbetroffenheit durch die Nordwest-Landebahn den Anstoß zu verstärkten öffentlichen Aktivitäten erhalten hätten. Die schon vor der Eröffnung der Nordwestbahn vorliegenden Erkenntnisse seien leider nicht ausreichend gewesen, um große Aufmerksamkeit und damit auch entsprechenden gesellschaftlichen Druck jenseits des Kreises der direkt Betroffenen und langjährig Engagieren zu erzeugen. „Das zeigt das Problem, dass die vorliegenden wissenschaftlichen  Erkenntnisse nicht ausgereicht haben, sondern die persönliche Betroffenheit dazu kommen musste. Wir erwarten, dass die Ergebnisse der NORAH-Studie vor diesem Hintergrund viel intensiver aufgenommen werden, und mit ihr auch gesellschaftlicher Druck erzeugt werden kann, um den Fluglärm zu vermindern. Erfahrungsgemäß können neue Erkenntnisse, wie sie durch solche Studien entstehen, politische Mehrheiten zum Handeln veranlassen, auch wenn die Lobbyisten weiterhin Widerstand leisten. Die Debatte um das Rauchverbot in der Gastronomie habe gezeigt, dass erst Studien, deren Ergebnisse von interessierter Seite nicht mehr wegdiskutiert werden können, am Ende zu Ergebnissen führen, die allen guten Argumenten zum Trotz vorher nicht erreicht werden konnten. Ohne die im Dezember 2005 veröffentlichte Studie des Krebsforschungszentrums Heidelberg über die jährliche Zahl der Toten durch Passivrauch gäbe es bis heute keine Rauchverbote in Gaststätten.“

Anlage

Antrag


Pressestelle der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag
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