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Foto von Till Haupt
13. Februar 2013

Digital-totale Überwachung

Till Haupt, Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Online-Redaktion bei der Landtagsfraktion

Auch außerhalb der Aktivität in sozialen Netzwerken wie Facebook (siehe Blogbeitrag vom 28. Januar 2013) werden nutzerbezogene Daten en masse gesammelt und für Werbezwecke verwendet. Dafür brauchen Bürgerinnen und Bürger nicht einmal aktiv etwas im Netz von sich preiszugeben. Formulare ausfüllen, Nutzerkonten anlegen oder Profile vervollständigen: all das braucht es nicht, es genügt die einfache Nutzung des Internets.

WERBEBANNER WISSEN WER DU BIST

Ein Alltagsphänomen: Täglich nutzen Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürger das Internet, um nach bestimmten Produkten zu suchen, um sich über sie zu informieren oder sie zu erwerben. Nach einer mehr oder minder erfolgreichen Suche erscheinen tagelang auf Werbebannern diverser Seiten genau die Produkte, die man sich angesehen hat. Als würde jedes Werbebanner genau wissen, wer man ist. Tatsächlich ist es genauso.

Woher wissen die Werbebanner auf vielen verschiedenen Seiten so genau über uns Bescheid? Das wird mit Hilfe so genannter Tracking-Cookies vollkommen unbemerkt vom arglosen Surfer bewerkstelligt. Normale Cookies kommen der Bequemlichkeit sehr entgegen: Durch kleine Textinformationen die Websites im Browser des Betrachters speichern, merkt sich der Browser beispielsweise Nutzernamen und Passwörter, sodass diese nicht immer wieder neu eingegeben werden müssen.

DER BROWSER DENKT MIT           

Tracking-Cookies hingegen helfen vor Allem der Werbewirtschaft. Statt Nutzernamen und Passwörter werden Informationen über den Besuch unterschiedlicher Websites gespeichert. Diese Informationen können dann nach bestimmten Zielgruppen ausgewertet und für passgenaue Werbung genutzt werden. So kommt die spezifische Anzeige genau zu der im Marketingkonzept vorgesehenen Zielgruppe. Je genauer dies funktioniert, desto mehr sind die Werbekunden bereit zu investieren.

Ein Firefox-Plugin, um solche Vorgänge nachzuvollziehen, ist Collusion. Ruft ein Nutzer Beispielsweise nur die Internetseite sueddeutsche.de auf, sendet die Seite Informationen an 13 andere Websites. An 9 dieser 13 Websites gelangen die Informationen über Cookies. Bei jedem weiteren Klick erhöht sich die Zahl sogar noch: Liest man nur den Artikel über den Rücktritt von Benedikt XVI. sind es plötzlich schon 21 Seiten, die über das Surfverhalten des Nutzers Bescheid wissen.

Unter diesen Dritten Seiten finden sich natürlich wieder große Namen wie Google und Facebook. Das ist auch den Social Media Buttons unter den Artikeln geschuldet. Nach einer Weile zeigen sich aber auch eher ungewöhnlichere Verbindungen. Selbst c-und-a.com scheint zu interessieren, welche Artikel der Nutzer liest, über welche Themen er sich informiert.

Folgt man jetzt Links auf Seiten außerhalb von sueddeutsche.de potenzieren sich die informierten Seiten noch. Alles ist interessant. Aus dem Surfverhalten können dann schließlich Rückschlüsse auf Alter und Geschlecht des Nutzers gezogen werden, der sich selbst als unbemerkt und anonym denkt.

MACHT DER BÜRGERiNNEN SICHERN

Passgenaue und personalisierte Werbung? Warum eigentlich nicht? Selbstverständlich gibt es Menschen, die personalisierte Werbung als nützlich empfinden. Es geht aber auch nicht darum, diese komplett zu verbieten sondern Nutzerinnen und Nutzern die Macht über ihre Persönlichkeit zu sichern. Sie sollen selbst entscheiden können, mit welcher Art und mit welchem Umfang von Verfolgung im Netz sie einverstanden sind, wo sie selbst ihre Grenze ziehen. Bisher können Internetuser nur Tracking-Cookies löschen oder sich bestimmte Programme installieren, um sie abzublocken. Dabei muss es genau umgekehrt sein: Tracking-Cookies sollen erst verwendet werden dürfen, wenn der einzelne Nutzer sich damit einverstanden erklärt hat! Auch weniger technikversierte Menschen müssen eine Wahlfreiheit haben. Ich fordere hier eine opt-in statt einer opt-out Regelung! Genau das fordert auch die EU in einer Richtlinie.

WEITERLESEN?

Hier geht’s zum Konzept DIGITALES HESSEN – Netzpolitik ist Zukunftspolitik!

7

  1. Benny sagt:

    Immerhin wacht die Politik langsam auf und die Grünen in Hessen schicken sich an die ehemaligen Sympathisanten der Piraten direkt anzusprechen. Mich würde interessieren, ob die Fraktion diese Meinung teilt oder ob man dort mehrheitlich der Meinung ist, das Internet sei unwichtig, überflüssig und eine Parallelwelt.
    Denn außer Mack äußert sich niemand dazu. Warum?

  2. Daniel Mack sagt:

    Vielen Dank für ihre Rückmeldung.

    Ich empfehle Ihnen das Konzept DIGITALES HESSEN der Fraktion. Das Konzept wurde einstimmung verabschiedet. SIe können sicher gehen, dass die Fraktion die Inhalte des Beschlusses teilt! ;-)

    http://www.gruene-hessen.de/landtag/materialien/digitales-hessen/

  3. Pirate sagt:

    Der Panikbeauftragte hat wieder geschrieben. Ohje wie neu. Im Internet werden Daten gespeichert. Hilfe. Am besten alle raus da. Teufelszeug. Ernsthaft, Mack? Wollen Sie immer nur die Risiken thematisieren?

  4. Arnd Klaus sagt:

    Gute Forderung. Lassen Sie sich nicht von den unqualifizierten Kommentaren der Piraten oder von Lobbyisten verrückt machen. Es braucht Netzpolitiker mit Verstand in allen Parteien.

  5. bernd sagt:

    warum gibt es denn bisher keine regelungen dafür? also warum verstößt die sz nicht gegen geltendes recht? was bringt der sz es überhaupt und warum schaltet sie keine eigene werbung?

    wie kann ich die verfolgung heute unterbinden?

    gruß
    bernd

  6. Fragesteller sagt:

    Und ich muss dann am Ende jeden einzelnen Cookie freigeben, um surfen zu können? Wird hier nicht Hysterie betrieben?

  7. Benny sagt:

    Wie wahrscheinlich ist es, dass so etwas umgesetzt wird?

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