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Foto von Bettina Hoffmann
21. Dezember 2012

Studie "(Keine) Lust auf Kinder?"

Bettina Hoffmann, Frauenpolitische Sprecherin und Beisitzerin im Landesvorstand

Frauen im Zwiespalt: Mutterglück oder Frauenpower – Kinder oder Karriere

In Deutschland spielt das Leitbild der „Guten Mutter“ und die Gefahr als „Rabenmutter“ verdammt zu werden, bei der Entscheidung hochqualifizierter Frauen gegen Kinder und für den Beruf eine offenbar eine große Rolle. Denn in der Gesellschaft besteht immer noch eine geringe Akzeptanz für eine externe Kinderbetreuung. Gute, verlässliche Ganztagsangebote sind zudem weiterhin Mangelware.

Wer in einem Land lebt, in dem es selbstverständlich ist, dass die Kinder in ganztägige Kitas und Schulen geht, der geht ohne schlechtes Gewissen zur Arbeit. Während in Frankreich fast 75 % der Befragten ohne Kinder mit einem Kind mehr Lebensfreude verbinden, sind es in Deutschland nur 45 %. Das hat eine aktuelle Studie des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung ergeben. Noch gravierender ist demnach der Unterschied bei den Befragten mit Kindern. In Frankreich würden sich 50 % freuen, in Deutschland gerade mal 17 %. Der Aussage, dass ein Kleinkind wahrscheinlich darunter leiden würde, wenn die Mutter berufstätig ist, stimmten 63 % der Westdeutschen zu, in Frankreich dagegen nur 41 %. Die große Mehrheit der Deutschen sieht ein Vereinbarkeitsproblem von Familie und Beruf. 72 % der Bevölkerung wünschen sich eine Verbesserung!

Doch in Deutschland ist alles ein wenig anders. Wenn Frauen nicht ohnehin zu Hause unterm männlichen Rettungsschirm bleiben, verdienen sie nach der Kinderzeit weniger Geld, sind in Führungspositionen kaum vertreten und bekommen letztendlich auch weniger Rente. Nach einer aktuellen Studie der OECD erhalten Frauen in Deutschland im Schnitt nur die Hälfte der Rente von Männern. Da wundert man sich so lange schon, warum Deutschland in der Geburtenrate zu den Schlusslichtern in Europa zählt. Schon seit 30 Jahren hat Deutschland ein Fertilitätsproblem – sagt die Studie „(Keine) Lust auf Kinder?“. Die Geburtenziffer pro Frau liegt seit 1975 zwischen 1,24 und 1,45 Kindern pro Frau. Kinderlosigkeit ist weit verbreitet. Das durchschnittliche Gebäralter steigt an. In Frankreich liegt die Geburtenziffer dagegen bei 2,01. Dort gibt es eine aktive Geburtenförderung. Familie und Erwerbstätigkeit sind besser miteinander vereinbar.

Frauen sind in Deutschland bestens ausgebildet. Und Betreuungsangebote nehmen zu. Aber Angebote allein scheinen nicht auszureichen. Auf dem Arbeitsmarkt haben sie jedenfalls noch nicht viel geändert. Was in Deutschland fehlt, ist das Selbstverständnis. Damit sich dieses einstellt, werden ganz selbstverständlich flächendeckende Ganztagsangebote in Kindergarten und Schule sowie flexible Arbeitszeitmodelle benötigt.

Doch ob in Bildung oder Geschlechtergerechtigkeit, die Regierung scheint wenig echtes Interesse zu haben, die desolate Situation zu ändern. Da instrumentalisiert jüngst unser Bundesfinanzminister die Hilfen an Griechenland dazu, Frauen ihre Rentenansprüche vorzuenthalten. Spätestens das Betreuungsgeld konterkariert alle Impulse, die von Elterngeld, Kitaplatz-Garantie und der zunehmenden Zahl von Ganztagsangeboten ausgehen.

Wird Deutschland also weiter Schlusslicht bleiben – Schlusslicht in der sozialen Balance von Bildungsabschlüssen, Schlusslicht bei der Besetzung von Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft, Schlusslicht in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Schlusslicht in der Rentengerechtigkeit zwischen Mann und Frau, Schlusslicht bei den Geburtenraten, Schlusslicht in der Geschlechtergerechtigkeit ….?

Damit dürfen wir uns nicht abfinden. Denn unsere Gesellschaft und auch unsere Wirtschaft braucht das Wissen, die Kreativität und die soziale Kompetenz von uns Frauen. Was wir wollen, ist eine gesellschaftliche Anerkennung als berufstätige Frau und Mutter. Wir wollen ohne schlechtes Gewissen arbeiten – den ganzen Tag – und warum nicht auch Karriere machen.

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  1. Gabriele Grund sagt:

    Wahre Worte, die Bettina spricht! Schluss mit dem Einreden eines schlechten Gewissens durch die Gesellschaft, wenn Frau, die auch Mutter ist, Karriere macht. Schluss mit den Einkommensunterschieden von Frauen und Männern bei gleicher Qualifikation!!!

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