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Foto von Kordula Schulz-Asche
30. Oktober 2012

Das Partikeltherapiezentrum in Marburg: Noch eine Ruine in der vermeintlichen Leuchtturm-Landschaft der CDU?

Kordula Schulz-Asche, MdL - stellv. Fraktionsvorsitzende - Sprecherin für demografischen Wandel, Gesundheit und Behindertenpolitik

Das Betreiben des Partikeltherapiezentrums in Marburg war eine wesentliche Vorgabe im Zuge des Verkaufs des UKGM an die Rhön Klinikum AG. Ein entsprechender Passus im Vertrag belegt dies klipp und klar. Doch so klipp und klar ist die Situation nicht.

Was ist das eigentlich, eine Partikeltherapie? Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine hochspezialisierte Protonen- oder Kohlenstoff-Ionen Strahlentherapie, die Tumorpatienten möglicherweise entscheidend helfen könnte. Die Bestrahlung zerstört nämlich die Tumorzellen punktgenau und schont dabei das umliegende gesunde Gewebe. Es gibt nur wenige Einrichtungen in der Welt, die – außer dem Partikeltherapiezentrum in Marburg – an dieser Behandlungsmethode forschen. Das Stichwort ist „forschen“, denn die Methodik ist noch nicht ausgereift. Die Rhön AG sollte das Zentrum weiterbetreiben, und so die Forschung ermöglichen, die notwendig ist, um die Therapie besser zu verstehen, und sie zur Reife zu führen. In einem zweiten Schritt sollte die reguläre Behandlung von Patienten erfolgen.

Seit letztem Jahr wissen wir nun, dass die Rhön AG zunehmend Abstand davon zu gewinnen versucht, den Vertrag bezüglich des Partikeltherapiezentrums einzuhalten. Und dies, weil die Rhön AG glaubt, dass sie mit der Partikeltherapie nicht schnell genug wirtschaftlich positive Ergebnisse erzielen kann. Die Absetz-Bewegungen sind eindeutig. Nun hat auch noch der für das Zentrum zuständige Direktor die Konsequenzen gezogen und gekündigt, weil er Zweifel daran hat, dass die Partikeltherapie wie vertraglich vereinbart zum Ende des Jahres in Marburg anlaufen kann. Für uns Grüne heißt das eindeutig: Die Rhön Klinikum AG wird vertragsbrüchig.

Und nun? Die Landesregierung muss dringend tätig werden und endlich durchgreifen. Seit Monaten schon lässt sie sich von der Rhön AG am Nasenring durch die Manege führen und ist nicht in der Lage, auf Augenhöhe zu verhandeln. Das muss sich endlich zum Nutzen des Landes Hessen und seiner Bürgerinnen und Bürger ändern! Wir Grüne fordern, dass die Landesregierung jetzt zwei Szenarien verfolgt: Zum einen dafür Sorge zu tragen, dass die Rhön AG ihren Vertrag einhält, oder aber zum anderen sicherzustellen, dass die Rhön AG bei Nichteinhaltung des Vertrages entsprechende Rückzahlungen und Entschädigungen leistet.

Welches Ergebnis auch immer am Ende steht: Das Partikeltherapiezentrum als Aushängeschild des UKGM ist bereits beschädigt. Ein weiterer Mosaikstein in dem traurigen Bild einer gescheiterten Privatisierung.

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