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28. August 2012

Der Natur einen Wert geben! Adam Smith und externe Effekte

Kai Klose, MdL, Sprecher für Wirtschafts-, Wohnungs-, Lesben und Schwulenpolitik

Umweltprobleme wie Klimawandel, Ressourcenknappheit oder Abfall haben ihre Ursachen häufig in unserer Wirtschaftsweise. Die Natur verlor historisch immer mehr an “Wert“, je weiter sich die Ökonomie zu einer eigenständigen Wissenschaft entwickelte. Im 18. Jahrhundert schuf Adam Smith das Konzept der Invisible Hand, dem zufolge das Zusammenspiel eigennützig handelnder Individuen auf dem Markt zu einer Wohlfahrtsmaximierung aller führt.

Diese These hält sich hartnäckig. In einer Welt mit begrenzten Ressourcen und Gütern, die niemandem gehören, bildet diese Theorie die Realität allerdings nicht ab: Das Individuum steigert seinen Nutzen durch den Konsum von Gütern. Diese Güter werden aber durch den Einsatz von Ressourcen produziert und diese Herstellung hat externe Effekte.

Der Wert der Natur

Der Kern und die gleichzeitige Genialität unserer neoklassischen Wirtschaftsweise ist der Preis, der sich aus der individuellen Zahlungsbereitschaft ergibt. Der Preis ist also der Gebrauchswert: Er bemisst sich daran, wie nützlich ein bestimmtes Gut zu einer bestimmten Zeit für eine bestimmte Person ist. Wird ein Gut knapper, steigt der Preis und Konsumenten suchen sich ein Substitut, das das ursprüngliche Gut ersetzen kann.

Das dieser Theorie innewohnende Problem ist heute offensichtlich: Der Natur hat keinen Preis. Sie gehört niemandem und damit ist sie kostenlos. Faktisch sind aber die Dienstleistungen, die wir von der Natur erhalten, unglaublich wertvoll. Ein simples Beispiel ist insektenbasierte Bestäubung: Bienen, die Obst und andere Blüten bestäuben, erzeugen dadurch geschätzt einen Wert von etwa 190 Milliarden US-Dollar – das entspricht einem Anteil von rund 8% des weltweiten Ertrags durch Landwirtschaft! Für diese Dienstleistung zahlt allerdings niemand. In keiner Kosten- oder Leistungsrechnung taucht dieser Wert auf, obwohl sie eine Grundlage unserer Landwirtschaft und Lebens ist. Das derzeitige Bienensterben richtet dennoch einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden an.

Der Marktwirtschaft fehlen sowohl die Preise für Naturgüter als auch für das individuelle Wohlbefinden der Menschen.

Damit wird eine wichtige Aufgabe der Politik deutlich: Es müssen geeignete ökonomische Rahmenbedingungen gesetzt werden, damit der Verbrauch von Naturgütern nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch verträglich ist.

Die amtierende Bundesregierung berücksichtigt Umwelt nur, wenn sie wirtschaftsrelevant wird: Energie- und Ressourceneffizienz (und selbst dort mit nur spärlichen Erfolgen) sind Grundprinzipien, denen kein Unternehmer widerspricht, da sie gleichzeitig zu Kosteneinsparungen führen. In vielen Bereichen wird vollständig von staatlichen Eingriffen abgesehen, da der Markt angeblich nur selbst das optimale Gleichgewicht findet.

Eine gesamtwirtschaftliche Veränderung, nach der der Wert der Natur völlig neu gedacht wird, ist allerdings nicht in Sicht. Dabei ist es dringend notwendig, eine Veränderung herbeizuführen damit nicht weiterhin nur der Nutzen des Flughafenbetreibers, die Arbeitsplätze der Steinkohleindustrie in Deutschland (deutsche Steinkohle ist schon seit Jahren nur noch durch Subventionen konkurrenzfähig) oder das Bruttoinlandsprodukt im Vordergrund stehen Ebenso wichtig ist es auch, das, was bisher noch nicht in Zahlen messbar ist, wie zum Beispiel Zufriedenheit, Glück, Familie und Engagement zu berücksichtigen.

Dieser Artikel über den Wert der Natur entstand gemeinsam mit Kaya Kinkel. Sie ist Mitglied des Kreistags Hersfeld-Rotenburg, war bis 2012 Vorsitzende der Grünen Jugend Hessen und studiert Nachhaltiges Wirtschaften in Kassel.

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